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Aus: Frankfurter Rundschau vom 25.04.2007

Mauern statt Poller

von SANDRA BUSCES

Die generationenübergreifende Umgestaltung des Nordends beginnt mit einer Ideenwerkstatt in der Orangerie / Nächsten Monat folgen „Planungsspaziergänge"

Fitnessplätze für Senioren, Sitzgelegenheiten statt Poller: Zum Auftakt des Projekts „Vernetzte Spiel- und Begegnungsräume im Nordend"zählten Bürger ihre ungeliebten Ecken im Stadtteil auf und warteten mit Verbesserungsvorschlägen auf.

NORDEND • Die Friedberger ist ziemlich rot. Ein kirschfarbener Stecknadelkopf reiht sich dort an den anderen: Kleiner Friedberger Platz, Nibelungenplatz, die Landstraße selber. Nein, die Friedberger kommt nicht gut weg bei den Bewohnern des Nordends. Eifrig stecken sie am Montagabend in der Orangerie im Günthersburgpark Nadeln auf den Straßenplan des Nordends - und rot steht dabei für „unangenehmer Ort". Aber es gibt auch die Stecknadeln mit den grünen Köpfen. Sie symbolisieren die angenehmenen Orte und stecken im Günthersburgpark und im Luisenplatz, im Holzhausenpark und im Friedberger Platz.
Ein rot-grünes Attraktivitätsbild zeichnen die Bürger so bei der städtischen Auftaktveranstaltung für das Modellprojekt „Vernetzte Spiel- und Begegnungsräume im Nordend": Bis 2009 sollen Straßen und Plätze, Ecken und Kreuzungen des Viertels familien- und altengerechter gestaltet werden. Dafür stehen gut 1,3 Millionen Euro von Bund und Stadt zur Verfügung.
Die Bürger sollen bei der Planung eng mit einbezogen werden. Nicht nur, indem sie unattraktive Orte aufzeigen, auch ihre Verbesserungsideen sind gefragt. Und von denen haben die Nordendler zahlreiche: „Die Günthersburgallee könnte ruhig auch zwischen den Spielplätzen immer wieder Spielräume für Kinder anbieten", findet Nordend-Bewohnerin Birgit Gröning. Ein SpielGrünzug könnte die Allee so werden, der Platz biete sich doch für Kinder an.
Nur einer von vielen Vorschlägen, den die Projektleiter des Verkehrsdezernats und der Planersocietät Dortmund bei der Ideenbörse zu hören bekommen: Weg mit den hässlichen Pollern an Straßenecken, her mit kleinen Backsteinmauern, schlägt Lothar Tesche vor. „So kann man Autofahrer vom Parken abhalten und gleichzeitig auch noch darauf sitzen." Die Straßenecke dahinter könne als Ruhezone dienen und mit Sand ausgeschüttet werden. „Es muss ja nicht immer alles zubetoniert sein", findet Tesche.
Auch Seniorin Anke Mansky wünscht sich viele Sitzgelegenheiten im Nordend: „Aber in einer Höhe, die gut für Ältere ist." Außerdem könnten kleine Plätze gut zu Senioren-Fitness-Plätzen umgestaltet werden. „Zum Badminton spielen. Oder Tai Chi machen", schlägt Manskyvor. Diese Idee notierten die Planer genauso wie die Bitte nach einer Öffnung der Schulhöfe am Nachmittag und die Anfrage nach einer Bank an der Ecke Oeder Weg und Jahnstraße. Auch der Wunsch nach Stühlen auf kleinen Plätzen wird brav aufgenommen.
„Kommunikationsorte" für alle Generationen sollen so bald an vielen Ecken entstehen. Eine gemeinsame Nutzung von Jung und Alt läuft aber nicht immer reibungslos. „Ich konnte über Ostern gar nicht auf meiner Bank auf dem Friedberger Platz sitzen", beschwert sich ein älterer Herr. Wegen des Spielmobils des Abenteuerspielplatzes sei der Platz voller Kinder und deshalb die Bank ständig mit Eis verschmiert gewesen. Die Planer nicken verständnisvoll: „Nutzungskonflikte", bedauert Michael Frehn von der Planersocietät. „Wir müssen versuchen, allen gerecht zu werden." Und deshalb sollen die Bürger so viel wie möglich mitgestalten: Ende Mai wollen die Planer bei gemeinsamen Spaziergängen mit Anwohnern noch mehr Ideen für ein schöneres Nordend sammeln.
SANDRA BUSCES
www.urbanes.nordend.de

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